Kochakademie Heiligkreuz

Die Dualität von landschaftlicher Dramatik und Bedeutung als Wallfahrtsort zeichnet den Weiler Heiligkreuz seit jeher aus. Dieser Zustand wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte durch die touristische Nutzung ergänzt und hat dem Ort in gewisser Weise seine ursprüngliche Anmut entzogen. Die Umnutzung des ehemaligen Ferienheimes bietet nun die Chance Heiligkreuz in seiner kulturellen Prägung neu zu deuten. In einer zunehmend säkularisierten Welt wird die Kochakademie zum Nukleus einer neuen Kultur die sich dem sorgsamen Umgang mit den Erzeugnissen der Landwirtschaft und deren Verarbeitung verschrieben hat. Dies verlangt nach einer adäquaten, architektonischen Sprache welche dem Anspruch als handwerkliche Ausbildungsstätte wie als Zentrum der Vermittlung der Kulinarik gleichermassen gerecht wird. Unser Projekt macht sich dabei sowohl die Bedingungen des baulichen Bestandes wie auch der Topografie zu Nutze. Im grossräumig zu lesenden Landschaftsraum steht das Gebäude als Objekt ikonographisch in einem zusammenhängenden landwirtschaftlich geprägten Kulturraum und fügt sich in die morphologisch gewachsene Strukturen ein. Wegführungen, Zugänge und Blickachsen und Durchblicke entwickeln sich aus der örtlichen Topographie und der Bewegung des Besuchers, fügen sich sanft in die Umgebung ein und verweben sich mit dem Bestand.

Das bestehende Gebäudeensemble wird durch den Rückbau von Nebenbauten auf seine baukörperliche Essenz reduziert und bietet den Ausgangspunkt für die aus dem Programm geforderte räumliche und funktionale Erweiterung. Zum Herz der neuen Kochakademie wird der ostseitig angeordnete zweigeschossige Hof. Im unteren Geschoss umfassen vier Schulungsküchen, im oberen Geschoss das Sensorium und offene Arbeitsplätze den domestizierten, als Kräuter- und Gemüsegarten formulierten Aussenraum. Nordseitig bildet die Orangerie zugleich Abschluss und Übergang zur freien Natur. Der zentrale Gartenhof knüpft an das abendländische Naturverständnis an und versteht sich als Ausdruck eines pragmatisch-utilitären Zugriffs auf die Natur. Das gegenüber dem Bestand ausgeweitete Sockelgeschoss beherbergt Ateliers und Werkstätten. In Kombination mit den Schulungsküchen ist so die gewünschte Interaktion der einzelnen Funktionseinheiten auf einem Geschoss möglich. In den Obergeschossen wird die bestehende Zimmerstruktur übernommen und analog zu den unteren Geschossen durch eine zweite, rückwärtige Raumschicht ergänzt. Das Mysterium im Dachgeschoss bildet mit seinem allseitig offenen Sichtbezug in die Weite Abschluss und atmosphärischer Gegenpol zu den Arbeitsräumen im Sockelgeschoss. Während unten geprobt, geforscht und entwickelt wird, präsentiert sich die Akademie und ihre Mitarbeiter im Mysterium den Besuchern.

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PROJEKTDATEN

Studienauftrag Mai 2017

Standort:
Heiligkreuz, Hasle

Auftraggeber:
Odinga Promotions AG, Uster

Architekt: Burkard Meyer
Projektteam Wettbewerb: Oliver Dufner, Daniel Krieg,
Adrian Meyer, Andreas Signer, Florian Baumgartner,
Dominic Spalt

Landschaftsarchitekt:
Maurus Schifferli, Landschaftsarchitekt